12 Stunden Pflege zu Hause

Zwölf Stunden Anwesenheit im Haushalt

Nicht jeder Senior braucht eine Vollzeitbetreuung, aber auch eine 12-Stunden-Pflege zu Hause ist eine Herausforderung, die Angehörige vor gravierende Probleme stellt. Gesetzlich zugestandene Auszeiten vom Beruf mögen kurzfristige Notsituationen überbrücken helfen. Aber dauerhaft wird kein Vollzeitbeschäftigter neben seiner Arbeit noch einen Angehörigen zwölf Stunden am Tag pflegen können. Dennoch bedeutet eine umfassende Betreuungsnotwendigkeit nicht zwingend den Weg ins Pflegeheim. Ambulante Dienste leisten wesentliche Hilfen, ehrenamtliche Betreuer sorgen für eine Tagesstruktur, und Pflegehilfen aus Osteuropa entlasten die Angehörigen in der Haushaltsführung und der Grundpflege.

Eine Frage der Arbeitsteilung

Pflege zu Hause

Ambulante Pflegedienste haben eine klar definierte Aufgabenstellung: Sie kommen ins Haus, um eine medizinische Behandlungspflege durchzuführen. Dazu zählen zum Beispiel Dekubitus-Vorsorge gegen das Wundliegen, Wundversorgung und Verbandswechsel, Verabreichen von Medikamenten auch per Injektion oder Infusion sowie das Messen von Blutwerten wie Blutdruck und Zucker. Das braucht meist keine lange Zeit – eine Stunde pro Tag vielleicht, je nach Pflegegrad. Der Pflegedienst nimmt die Abrechnung für seine Leistungen üblicherweise direkt mit der Pflegekasse vor und belastet dadurch das Budget für Sachleistungen. Der Bezug von Pflegegeld zur freien Verfügung wird dadurch aber nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil, das 2017 in Kraft getretene Zweite Pflegestärkungsgesetz sieht solche Leistungskombinationen sogar ausdrücklich vor. Wer beispielsweise die Sachleistungen nur zu 20 % beansprucht, bekommt noch 80 % des Pflegegeldes. Davon kann eine osteuropäische Hilfskraft bezahlt werden, die im Rahmen einer 12-Stunden-Pflege zu Hause den Haushalt versorgt und, soweit nötig, in der Grundpflege unterstützt. Sie kümmert sich also nicht nur um Putzen, Waschen und Kochen, sondern hilft auch bei Körperpflege und Mobilität des Seniors innerhalb und außerhalb der Wohnung.

Zwölf Stunden am Tag ist mehr, als das Arbeitszeitgesetz erlaubt

Ist die Pflegerin als Arbeitnehmerin tätig, sind Arbeitsschutzvorschriften nach deutschem Recht zu beachten. Das ist nicht nur fair, sondern auch wesentliche Voraussetzung für einen funktionierenden Arbeitsmarkt, der für die Pflegerinnen aus Polen, Ungarn, Rumänien und vielen anderen EU-Staaten attraktiv sein muss, damit sie in Deutschland den Pflegenotstand beseitigen helfen. Unser Arbeitszeitgesetz erlaubt maximal zehn Stunden Arbeit am Tag und 48 Stunden in einer Sechs-Tage-Woche. Dennoch lässt sich eine 12-Stunden-Pflege zu Hause ohne aufwändigen Schichtbetrieb realisieren. Zwölf Stunden Anwesenheit im Haushalt des Pflegebedürftigen sind nicht gleichbedeutend mit zwölf Stunden Arbeit. Die Pflegehilfe wechselt sich mit dem ambulanten Pflegedienst, einem ehrenamtlichen Seniorenbetreuer und nicht zuletzt mit den Angehörigen ab. Ein Teil ihrer Tätigkeit besteht aus Bereitschaftszeiten. Nachts hat auch sie Ruhe, ist aber im Notfall trotzdem schnell zur Stelle. Wohnt die Pflegerin im Haushalt ihres Klienten, lassen sich Arbeit und Freizeit ohnehin nicht mehr streng trennen. Das Gesetz sieht deshalb eine Ausnahme von den Höchstarbeitszeiten für den Fall der Pflege in häuslicher Gemeinschaft vor. Von dieser Möglichkeit wird bei Vollzeitpflege oft Gebrauch gemacht.

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