Ausländische Pflegekräfte

Pflegekräfte aus dem Ausland

Ausländische Pflegekräfte sind das Rückgrat der ambulanten Pflege in Deutschland. Branchenkenner schätzen ihre Zahl auf rund 500.000, sie bedienen mit ihren Leistungen über 200.000 Haushalte. Osteuropäisches Personal ist begehrt auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Polen stellt mit etwa 20 % den größten Anteil. Verschiedene Vertragsmodelle erlauben eine Beschäftigung von Pflegekräften aus dem Ausland legal und zu überschaubaren Kosten. Bei anerkannter Pflegebedürftigkeit gibt es Geld von der Pflegekasse, das zur freien Verfügung gezahlt wird und deshalb auch für nicht examiniertes Personal ausgegeben werden kann.

Der Haushalt als Arbeitgeber

Pflege zu Hause

Der Pflegebedürftige selbst oder seine Angehörigen dürfen eine ausländische Pflegerin direkt im Haushalt anstellen. Für die meisten EU-Länder gilt eine unbeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das bedeutet, jeder, der möchte, kann sich Arbeit in einem anderen EU-Land suchen. Der Haushalt wird selbst zum Arbeitgeber. Der entscheidende Vorteil ist das direkte Weisungsrecht gegenüber der angestellten Pflegekraft. Die Lösung ist aber komplizierter, weil ein Arbeitgeber auch viele Pflichten erfüllen und sich deswegen im Personalwesen gut auskennen muss. Er muss beispielsweise die Einhaltung des Mindestlohns und der Höchstarbeitszeiten dokumentieren, und natürlich muss er Lohnsteuer und Sozialabgaben abführen. Die Anmeldung erfolgt bei deutschen Sozialversicherungsträgern. Damit gelten auch die im internationalen Vergleich hohen Standards, die die Lohnnebenkosten deutlich verteuern.

Ausländische Pflegekräfte
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Ausländische Pflegekräfte sind das Rückgrat der ambulanten Pflege in Deutschland.

Anstellung bei einem ausländischen Unternehmen

Die von den meisten Auftraggebern präferierte Lösung ist deshalb die Arbeitnehmer-Entsendung durch einen Arbeitgeber im jeweiligen Heimatland. Dort sind die Sozialabgaben niedriger als in Deutschland. Die Verantwortung für die Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen liegt nicht mehr beim deutschen Haushalt, sondern beim Arbeitgeber, der den Arbeitsvertrag mit den ausländischen Pflegekräften schließt. Zwischen diesem Unternehmen und dem Pflegebedürftigen bzw. seinen Angehörigen besteht ein Dienstleistungsvertrag, der den Umfang der Tätigkeit, die Arbeitszeiten und den Einsatzort regelt. Natürlich ist auch das Entgelt Bestandteil des Dienstleistungsvertrages, entlohnt wird die Pflegerin aber direkt von ihrem Arbeitgeber. Bei der Suche nach einem geeigneten Unternehmen, das Pflegekräfte aus dem Ausland entsendet, sowie bei der Vertragsabwicklung helfen inländische Pflegeagenturen. Sie kalkulieren dafür entweder einen erhöhten Tagessatz der Pflegekraft oder weisen eine Organisationspauschale separat in der Rechnung aus.

Selbstständiges Pflegepersonal mit rechtlichem Risiko

Die billigste Möglichkeit ist die Beschäftigung einer selbstständigen osteuropäischen Pflegerin. Hier wird ohne Zwischenschaltung eines Arbeitgebers direkt ein Dienstleistungsvertrag geschlossen. Es gilt allerdings einige Fallstricke zu beachten: Selbstständige mit nur einem Auftraggeber sind in Deutschland rentenversicherungspflichtig. Arbeiten sie zudem noch weisungsgebunden, liegt der Verdacht einer Scheinselbstständigkeit nahe. Aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes nehmen Behörden und Sozialversicherungsträger dann rückwirkend ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis an – mit allen rechtlichen Konsequenzen wie Anspruch auf Mindestlohn und Abführen von Sozialabgaben. Auch die Pflegekraft selbst könnte auf Anerkennung eines Arbeitsverhältnisses klagen. Von der Beschäftigung einer selbstständigen Pflegerin ist deshalb in den meisten Fällen abzuraten.

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