Demenzkranke

Geisteskranke

Menschen mit Demenz verlieren ihre Würde nicht. Menschen mit Demenz, die zu Hause betreut werden, werden selten körperlich missbraucht, sondern oft beleidigt und psychisch bedroht. Wohnungsbaugesellschaften für Demenzkranke im DRK Christianenheim, Erfurt. Mehrfamilienhäuser für Demenzkranke im Alter. Menschen mit Demenz sind oft nicht mehr in der Lage, selbständig zu arbeiten.

Schockierender AOK-Bericht zur Versorgung von Demenzpatienten

Laut AOK-Pflegebericht erhält etwa jeder Dritte in der Bundesrepublik psychotrope Medikamente. Natürlich ist dies auch der Fall, damit ältere Menschen weniger für das Pflegepersonal arbeiten. Laut einer neueren Untersuchung werden Demenzkranke in der Bundesrepublik stärker mit Arzneimitteln immobilisiert als in anderen Staaten Europas - und die Mehrheit der Pflegenden ist damit zufrieden. Dies ist das Resultat einer Untersuchung im Zusammenhang mit dem vorliegenden AOK-Pflegebericht, den die Krankenkassen am vergangenen Wochenende in Berlins Landeshauptstadt vorlegten.

Mehr als die Haelfte (56 Prozent) der Pflegeheimbewohner erhalten der Studie zufolge regelmaessig psychotrope Medikamente. Laut einer Umfrage unter 2.500 Haushalten schätzen knapp neun von zehn Betreuern in den Institutionen die Zahl dieser Regelungen als sinnvoll oder gar zu gering ein. In ihrem Bericht untersuchte die Krankenversicherung ein seit Jahren in der Pflege diskutiertes Problem systematisch: Patienten mit Demenz werden anscheinend oft mit psychotropen Medikamenten betäubt, um "herausforderndes Verhalten", wie es in der Praxis genannt wird, zu reduzieren - also die Pflegekräfte bei der Pflege zu entlasten.

Ähnlich sieht es bei den derzeitigen Werten der Krankenkassen aus. Der Studie zufolge wurde etwa jedem zweiten Demenzkranken ein Neurologen verordnet, was etwa 250.000 Menschen entspricht. Die Professorin am Centrum für Gesellschaftspolitik der Uni Bremen, beschreibt Rezepte für Arzneimittel ohne wirksame Behandlung von Erkrankungen als "chemische Gewalt". Ihm und anderen Kritikern zufolge spricht eine anhaltende Überforderung des Pflegepersonals für die geschätzte große Anzahl von Rezepten.

Die Demenzkranken sind oft ruhelos und schwierig zu kontrollieren, wegzulaufen oder andere Bewohner zu nerven. Psychotrope Drogen hingegen machen sie müde. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft für Demenz (AOK) leiden inzwischen rund zwei Drittel an Demenz. Erstmalig haben die Wissenschaftler des Wissenschaftsinstituts der Allgemeinen Universität Berlin (WIdO) die Einstellungen des Pflegepersonals in den Institutionen zu solchen Rezepten untersucht.

Erstaunlicherweise gaben rund 85 Prozent der Krankenschwestern an, dass sie bei Hausbesuchen oft oder vereinzelt Einfluss auf die Verschreibung der psychotropen Medikamente nehmen. Auch aus anderen GrÃ?nden ist der Gebrauch von psychotropen Medikamenten bei Ã?lteren Menschen umstritten: Nach medizinischen Behandlungsrichtlinien wird ein groÃ?er Teil der Medikamente als gefÃ?hrlich fÃ?r sehr alte Menschen angesehen.

"Es gibt eine Abweichung zwischen den einschränkenden Empfehlungen für den Gebrauch dieser Arzneimittel und der Häufigkeit der Verschreibungen", beurteilt die Pharmazeutin Dr. med. Petra A. Prof. Dr. Thürmann, Professor an der Uni Witten/Herdecke, der auch zum laufenden Pflegebericht der Krankenkasse beigetragen hat. So kommt eine EU-weite Umfrage zu dem Schluss, dass in der Bundesrepublik im Gegensatz zu anderen Ländern Europas die kräftigen Arzneimittel oft an Bewohner mit demenziellen Erkrankungen eingenommen werden.

Danach bekommen 67% der dementen Bewohner von Pflegeheimen ein potentielles, gesundheitsgefährdendes Arzneimittel, darunter das hochwirksame neuroleptische Mittel Riseridon. Es ist mit denen zu vergleichen, in denen die Bewohner an Betten oder Rollstühlen mit Bars oder Gurten befestigt sind, um sie am Auslaufen zu hindern. Die gleiche Folgerichtigkeit, meint beispielsweise Prof. Dr. Glaseke, muss der Verschreibung von psychotropen Medikamenten nachgehen.

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