Häusliche Pflege Pflegestufe 1

Aus Pflegestufe 1 wird Pflegegrad 2 oder 3

Häusliche Pflege ist bei Pflegestufe 1 in aller Regel problemlos möglich, wenn keine besonderen Erkrankungen eine stationäre Versorgung erforderlich machen. Mit der Neuordnung durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz Anfang 2017 müssen sich alle Beteiligten an neue Bezeichnungen gewöhnen: Aus Pflegestufe 1 wird der Pflegegrad 2. Demenzkranke werden künftig deutlich besser gestellt. Sie erhalten automatisch den Pflegegrad 3 und bekommen deshalb höhere Leistungen.

Altes Recht stellt auf körperliche Einschränkungen ab

Pflege zu Hause

Die Pflegestufe 1 wurde im Gesetz als „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ beschrieben. Sie war gegeben, wenn der Pflegebedürftige täglich mindestens 45 Minuten Hilfe bei zwei Verrichtungen aus den Bereichen Körperpflege, Ernährung und Mobilität benötigt. Außerdem braucht er mehrmals in der Woche Unterstützung im Haushalt, so dass sich die Zeiten auf mindestens 90 Minuten täglich im Wochendurchschnitt summieren. Die Formulierung zeigt bereits, dass der Gesetzgeber bei Pflegestufe 1 von häuslicher Pflege ausgeht, der Betroffenen also in den eigenen vier Wänden bleiben darf. Das ist in aller Regel auch in seinem Sinn, garantiert es doch ein weitgehend selbstbestimmtes Leben mit Erhalt der Privatsphäre.

Häusliche Pflege in Pflegestufe 1
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Selbst in der geringsten Pflegestufe 1 ist häusliche Pflege eine erhebliche Belastung für die pflegenden Verwandten, physisch wie psychisch.

Neues Begutachtungsassessment für die Pflegegrade

Das jetzt gültige Verfahren berücksichtigt die gesamte Alltagskompetenz des Pflegebedürftigen und nimmt dazu eine Punktwertung in sechs verschiedenen Aktivitätsbereichen vor. Das Neue Begutachtungsassessment (NBA) wird durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) bzw. bei Privatpatienten durch den Dienstleister MEDICPROOF vorgenommen. Dabei spielen nicht nur körperliche, sondern auch psychische und kognitive Beeinträchtigungen eine gleichgewichtige Rolle. Wer bereits eine Pflegestufe nach altem Recht zuerkannt hat, braucht sich dem NBA nicht mehr zu unterziehen. Die Regel ist hier, dass der Pflegegrad standardmäßig um eins höher ist als die bisherige Pflegestufe. Liegt zusätzlich Demenz vor, werden sogar zwei Pflegegrade addiert.

Hilfskräfte schaffen Entlastung für Angehörige

Selbst in der geringsten Pflegestufe 1 ist häusliche Pflege eine erhebliche Belastung für die pflegenden Verwandten, physisch wie psychisch. Rechnen wir zusammen: Bei mindestens 90 Minuten täglichem Zeitaufwand kommen in der Woche bereits minimal 10,5 Stunden zusammen. Pflege kennt weder Wochenende noch Urlaub. Essen, Trinken und Körperhygiene stehen sieben Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr auf der To-do-Liste. Mit einem Vollzeitjob und der Beanspruchung durch die eigene Familie lässt sich das nicht vereinbaren, zumal zeitliche Flexibilität vonnöten ist. Es gibt aber genügend Hilfsangebote: Die Caritas-Pflegestationen und andere Anbieter liefern Essen auf Rädern. Osteuropäische Haushalts- und Pflegehilfen dürfen legal in Deutschland arbeiten und leisten wertvolle Unterstützung, ohne dass die Pflege nach der Stoppuhr ablaufen muss. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen, kann die häusliche Pflege von Pflegestufe 1 nach oben hin erweitert werden bis zur 24-Stunden-Betreuung. Dann wohnt die Pflegerin im Haushalt und hält so einen intensiven, warmherzigen Kontakt zu ihrem Klienten. Außerdem wird durch die häusliche Gemeinschaft die Vollzeitpflege über eine Ausnahmevorschrift im Arbeitszeitgesetz auch mit deutschem Arbeitnehmerschutz vereinbar. Über die konkrete Ausgestaltung der Verträge und die Vermittlung zuverlässiger Kräfte beraten Pflegeagenturen vor Ort.

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