Kurzzeitpflege zu Hause

Auch pflegende Angehörige brauchen Urlaub

Kurzzeitpflege zu Hause steht eigentlich im Widerspruch zu dem, was das Elfte Sozialgesetzbuch (SGB XI) darunter versteht. Nach § 42 SGB XI bezeichnet Kurzzeitpflege nämlich eine stationäre Versorgung des Pflegebedürftigen, wenn die häusliche oder teilstationäre Pflege nicht ausreicht oder nicht erbracht werden kann. Das kann beispielsweise im Anschluss an einen Krankenhaus-Aufenthalt der Fall sein oder wenn es im Haushalt aus anderen Gründen gerade „klemmt“, zum Beispiel, weil der pflegende Angehörige selbst erkrankt ist. Zwar gibt es von der Pflegekasse Zuschüsse für die Kurzzeit- und die Verhinderungspflege. Es bleibt aber fraglich, ob der Tapetenwechsel für den Gepflegten wirklich die beste Lösung ist.

Der eine mag sich freuen über die Abwechslung, für den anderen ist die Gewöhnung an eine neue Umgebung, und sei es nur für kurze Zeit, eine Katastrophe. Das gilt besonders für Demenz-Patienten, die auf ihr vertrautes Umfeld und feste Tagesabläufe angewiesen sind. Mit einer Kurzzeitpflege zu Hause lassen sich Unannehmlichkeiten durch eine veränderte Pflegesituation auf ein Minimum beschränken.

Pflege ist schwere körperliche Arbeit und psychische Belastung

Pflege zu Hause

Untersuchungen zeigen eine signifikant höhere Verbreitung beispielsweise von Rückenbeschwerden bei pflegenden Angehörigen als im Bevölkerungsdurchschnitt. Aber auch die psychische Belastung ist groß, bis hin zur handfesten Depression. Das ist wenig verwunderlich: Zum einen besteht ständiger Druck durch mehrfache Belastung mit Beruf, Familie und Pflege. Zum anderen wird der Pflegende ständig mit der Hilfsbedürftigkeit und dem Leid eines nahestehenden Menschen konfrontiert, jeden Tag, werktags wie am Wochenende. Ohne gelegentliche Auszeiten bauen sich hier Spannungen auf, die beide Seiten belasten. Urlaub für den pflegenden Angehörigen ist so gesehen auch Urlaub für den Gepflegten.

Osteuropäische Haushalts- und Pflegehilfen übernehmen die Kurzzeitpflege

Frauen aus den östlichen EU-Mitgliedsstaaten dürfen ihre Arbeit in Deutschland völlig legal anbieten, sowohl selbstständig als auch in Form einer abhängigen Beschäftigung als Arbeitnehmerinnen. Sie werden wegen ihrer fleißigen und warmherzigen Art häufig in der 24-Stunden-Betreuung von Senioren und Kranken eingesetzt. Dann leben sie im Haushalt des Pflegebedürftigen und stellen somit eine ständige Beaufsichtigung und Betreuung sicher. Das Modell lässt sich aber ebenso auf die Kurzzeitpflege zu Hause übertragen. Pflegeagenturen vermitteln ausländische Kräfte nicht nur auf Monatsbasis, sondern auch zu Tagessätzen ab rund 60 Euro. Dieser Preis bezieht sich auf die rechtssichere Anstellung bei einem Pflegedienst in der Heimat und die Entsendung der Pflegehilfe nach Deutschland. Probleme mit Scheinselbstständigkeit werden mit diesem Modell vermieden, ebenso die Verpflichtungen des Haushalts, die sich aus einer Arbeitgeber-Eigenschaft ergeben würden. Hilfskräfte dürfen zwar keine medizinische Behandlungspflege ausüben, sie sind aber eine wertvolle Hilfe in der Haushaltsführung wie auch in der warmherzigen Grundpflege mit den Bereichen Körperhygiene, Ernährung und Mobilität.

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