Pflege Polin

Polinnen als Pflegekräfte

Damit ein Pflegefall in der Familie nicht zur sozialen und finanziellen Katastrophe wird, beschäftigen viele deutsche Haushalte für die Pflege eine Polin oder andere osteuropäische Pflegekräfte. Nach einer Untersuchung des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2013 stellen Polinnen die größte Gruppe unter den Zuwanderern in Pflegeberufen, gefolgt von Bosnien-Herzegowina auf Platz 2 und Kasachstan auf Platz 3. Die Gesamtzahl der Pflegekräfte mit Migrationshintergrund wird auf rund 500.000 geschätzt, wobei es eine relativ hohe Dunkelziffer illegal Beschäftigter geben dürfte. Ist die Pflegekraft aus Osteuropa der Ausweg aus dem Pflegenotstand?

Die Weltbevölkerung wird älter

Pflege zu Hause

Weltweit steigt die Lebenserwartung. Medizinischer Fortschritt und mehr Prophylaxe bedeuten zwar oft auch bessere Gesundheit, aber von einem durchweg gesunden Lebensstil sind zumindest in den reichen Nationen viele Menschen noch weit entfernt. In Deutschland wird in gut drei Jahrzehnten schon jeder Achte älter als achtzig Jahre sein. Und selbst wenn 60 das neue 50, 70 das neue 60 ist, wird zwangsläufig auch die Zahl der Pflegefälle zunehmen. Pflege wird zum knappen Gut, wenn nicht mehr Leute in Pflegeberufen tätig sein wollen. Das wiederum ist aber eine Frage der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung. Und die ist schlecht, weil den Pflegebedürftigen selbst meist wenig Geld zur Verfügung steht und Leistungen aus den Sozialkassen begrenzt sind.

Pflege durch eine Polin
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Damit ein Pflegefall in der Familie nicht zur sozialen und finanziellen Katastrophe wird, beschäftigen viele deutsche Haushalte für die Pflege eine Polin oder andere osteuropäische Pflegekräfte.

Migrant Care Workers sind ein weltweites Phänomen

Das Problem liegt also auf dem Tisch: Der Bedarf an Pflegekräften ist größer als die Zahl derjenigen, die diesen Beruf ausüben möchten – zumindest solange man innerhalb der Grenzen eines Landes schaut. Aber offenbar sind die Arbeitsbedingungen in Deutschland attraktiv genug, dass Polinnen und andere Frauen ihre Familien oft für Monate verlassen, um bei uns zu arbeiten – zwar nach deutschen Sozialstandards und entsprechenden Höchstarbeitszeiten, de facto leben sie aber im Haushalt des Pflegebedürftigen und sind deshalb Tag und Nacht mindestens in Rufbereitschaft. Offenbar sind dennoch beide Seiten mit den Konditionen zufrieden, sonst würde der Arbeitsmarkt nicht so gut funktionieren. Das gilt übrigens auch für andere Industrienationen – der Begriff Migrant Care Worker ist in diesem Zusammenhang international geläufig.

Vermittlung durch Agenturen

Pflegevermittler in Deutschland sorgen dafür, dass das Arbeitsverhältnis transparent ist und zu fairen Bedingungen abgewickelt wird. Die Pflegekraft ist zwar bei einem Arbeitgeber in ihrer Heimat angestellt, für den Arbeitsschutz gelten aber die Vorschriften des Tätigkeitslandes. Die Agentur vermittelt den Kontakt zu seriösen Anbietern für die Pflege – Polin, Bosnierin, Rumänin, die Nationalität ist weniger wichtig als die korrekte Behandlung der Frauen durch ihren Arbeitgeber. Pflegehilfen dürfen zwar keine medizinischen Behandlungen ausführen, können aber sehr viel mehr als Putzen, Waschen und Kochen. Durch die Grundpflege wie Körperhygiene oder Mobilitätsunterstützung entsteht ein enger Kontakt, der durch die Unterbringung der Pflegekraft im Haushalt des Pflegebedürftigen verstärkt wird.

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