Pflegeagenturen für Freiberufler

Beschäftigung selbstständiger Pflegekräfte

Pflegeagenturen für Freiberufler kennen die verzwickte rechtliche Problematik rund um das Thema Selbstständige, Selbstständige mit nur einem Auftraggeber und Scheinselbstständige. Selbst für Juristen sind die Begriffe schwer abgrenzbar. Wer sich mit dem Gedanken trägt, die Pflege zu Hause einer freiberuflich tätigen Kraft anzuvertrauen, sollte sich beraten lassen.

Günstigste Lösung durch fehlenden Arbeitnehmerschutz

Pflege zu Hause

Selbstständige Pflegekräfte werden im Rahmen eines Dienstleistungsvertrags beschäftigt. Dieser unterscheidet sich grundlegend vom Arbeitsvertrag. Ein Arbeitnehmer hat ein sogenanntes abhängiges Beschäftigungsverhältnis. Das bedeutet, er ist weisungsgebunden, muss also Anordnungen seines Arbeitgebers folgen. Das Weisungsrecht hat seine Grenzen im Arbeitnehmerschutz. Hier sind zum Beispiel Höchstarbeitszeiten und Mindesturlaub geregelt. Auch das Recht auf Mindestlohn gehört dazu. Für Freiberufler gilt das alles nicht. Sie können Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen einschließlich der Bezahlung frei vereinbaren. Das schafft Verhandlungsspielräume, die allein durch eine mögliche Sittenwidrigkeit begrenzt sind. Für den Auftraggeber bedeutet das in aller Regel eine Kostenersparnis gegenüber der Anstellung eines Arbeitnehmers. Ein Beispiel: Für die Vollzeitpflege durch eine osteuropäische Pflegehilfe auf selbstständiger Basis sind rund 1.700 Euro im Monat marktüblich. Die gleiche Leistung durch eine angestellte Pflegerin kostet mindestens 2.000 Euro. Zudem ist ihre tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden im Schnitt einer Sechs-Tage-Woche begrenzt. Eine Ausnahme sieht das Gesetz nur vor, wenn die Pflegerin mit ihrem Klienten in häuslicher Gemeinschaft wohnt. Dann entstehen jedoch Nebenkosten für die Unterbringung.

Selbstständige mit nur einem Auftraggeber sind rentenversicherungspflichtig

Ob die Anstellung einer Freiberuflerin für die Pflege ethisch vertretbar ist, mag jeder für sich entscheiden. Es gibt durchaus faire Verträge auch auf selbstständiger Basis. Bei der Vertragsgestaltung spielt es zunächst keine Rolle, ob die selbstständige Haushalts- oder Pflegehilfe ausschließlich für einen oder für mehrere Auftraggeber tätig ist. Selbstständige mit nur einem Auftraggeber unterliegen zwar der Rentenversicherungspflicht, das ändert aber nichts daran, dass sie grundsätzlich selbstständig tätig sein können. Die Begriffe Selbstständigkeit mit nur einem Auftraggeber und Scheinselbstständigkeit werden selbst von Juristen häufig durcheinandergeworfen, bezeichnen aber völlig andere Sachverhalte.

Wer Weisungen erhält, arbeitet nicht selbstständig

Das entscheidende Kriterium, das gegen eine Selbstständigkeit spricht, ist das Entgegennehmen von Weisungen des Auftraggebers. Pflegeagenturen für Freiberufler zeigen, wie man einen Dienstleistungsvertrag so gestaltet, dass die Spielregeln vorher klar und darüberhinausgehende Weisungen deshalb nicht mehr erforderlich sind. Sozialversicherungsträger werden hellhörig, wenn es um den Verdacht einer Scheinselbstständigkeit geht. Schließlich entgehen ihnen Beiträge. Wer den Sozialversicherungsträgern vorsätzlich Beiträge vorenthält, macht sich sogar wegen Betrugs strafbar. Auch Bezirksregierungen und vergleichbare Behörden, die für den Arbeitsschutz zuständig sind, haben ein Auge auf Dienstleistungen geworfen, die im Verdacht der Scheinselbstständigkeit stehen. Nicht zuletzt kann auch die Pflegerin selbst Arbeitnehmerrechte einklagen und zum Beispiel Mindestlohn nachfordern.

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