Pflegekräfte aus Polen

Menschenwürdige Betreuung auch ohne viel Geld

Pflegekräfte aus Polen oder anderen osteuropäischen Ländern übernehmen in Deutschland zunehmend Betreuungsaufgaben bei pflegebedürftigen Menschen, die von Angehörigen nicht zu leisten sind und die ein Normalverdiener ansonsten nicht bezahlen könnte. Die Pflegeversicherung beteiligt sich seit 2017 noch stärker als bisher an den Kosten. Die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer oder die Beauftragung einer selbstständigen Pflegekraft sind rechtlich völlig einwandfrei. Bei der Gestaltung des Arbeitsverhältnisses sind aber einige Dinge zu beachten, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Verbesserung durch Pflegegrade

Pflege zu Hause

Seit Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes Anfang 2017 erhalten viele Pflegebedürftige mehr Geld von der Versicherung. Besonders Demenzkranke profitieren von der Reform, denn die Ablösung der Pflegestufen durch sogenannte Pflegegrade berücksichtigt nicht nur die körperliche Verfassung, sondern auch die Alltagskompetenz, die maßgeblich von der geistigen Leistungsfähigkeit bestimmt wird. Pflegekräfte aus Polen verfügen in aller Regel zwar nicht über einen in Deutschland anerkannten Berufsabschluss, so dass Sachleistungen aus der Pflegekasse für ihre Beschäftigung nicht verwendet werden können. Über das Pflegegeld darf der Betroffene aber frei verfügen. Er kann es für die Pflege durch Angehörige ausgeben – es ist aber fraglich, ob ihm damit wirklich geholfen ist. Die Kinder wohnen nicht unbedingt in der Nähe und haben zudem ihr eigenes Leben, beruflich und in der Familie. Die Pflege eines Elternteils wird so zur Belastungsprobe. Da stellt sich die Frage, ob das Pflegegeld nicht besser für eine Haushaltshilfe aus Osteuropa verwendet wird.

Pflegekräfte aus Polen
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Seit Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes Anfang 2017 erhalten viele Pflegebedürftige mehr Geld von der Versicherung.

Beschäftigungsmodelle für Arbeitnehmer

Im Grundsatz gibt es zwei Modelle, wie ausländische Pflegekräfte in einem deutschen Haushalt als Arbeitnehmer beschäftigt werden können. Sie sind mit unterschiedlichen Kosten verbunden und haben verschiedene Vor- und Nachteile. Im ersten Modell wird der Pflegebedürftige selbst zum Arbeitgeber. Diese Lösung ist teuer, und es sind eine Menge Pflichten damit verbunden. So sollte man sich genau informieren über das Arbeitszeitgesetz, den Mindestlohn, Steuern und Sozialversicherung. Im Gegenzug hat der Arbeitgeber aber auch das Weisungsrecht und kann den Inhalt der Tätigkeit allein bestimmen. Das zweite Modell sieht vor, dass die Pflegekräfte bei einem Arbeitgeber im Ausland angestellt sind und in seinem Auftrag im Privathaushalt arbeiten. Die formalen Pflichten des Arbeitgebers übernimmt das ausländische Unternehmen, es führt also zum Beispiel Steuern und Sozialabgaben im Heimatland ab. Rechtlich ist das in Ordnung, wenn Ihnen die sogenannte A1-Bescheinigung vorliegt. Grundlegende Inhalte der Tätigkeit müssen Sie aber mit dem ausländischen Arbeitgeber absprechen.

Selbstständigkeit birgt rechtliche Risiken

Die preisgünstigste Möglichkeit ist die Beschäftigung selbstständiger Pflegekräfte aus Polen, Tschechien oder anderen Ländern mit vergleichsweise niedrigem Lohnniveau. Hier droht allerdings ein rechtlicher Fallstrick: Sehen deutsche Behörden die Pflegekraft als scheinselbstständig an, weil sie zum Beispiel nur nach Ihren Weisungen arbeitet, wird sie rückwirkend als Arbeitnehmer behandelt – mit allen Konsequenzen hinsichtlich Arbeitsschutzvorschriften, Steuern und Sozialversicherung.

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