Pflegekräfte aus Tschechien

Osteuropäische Haushalts- oder Pflegehilfe legal beschäftigen

Pflegekräfte aus Tschechien, Polen, Rumänien, Bulgarien und vielen anderen östlichen Mitgliedsstaaten der EU sind zu vergleichsweise geringen Kosten und bei minimalem bürokratischem Aufwand legal in Deutschland zu beschäftigen. Aktuelle Untersuchungen belegen dennoch, dass drei Viertel aller Haushalts- und Pflegehilfen schwarzarbeiten – knapp drei Millionen illegale Beschäftigungsverhältnisse soll es geben. Abgesehen von den ethischen Fragen gehen die Haushalte für einen kleinen finanziellen Vorteil große Risiken ein.

Doppelmoral schadet allen

Pflege zu Hause

Es mutet seltsam an, dass Bürger von der Politik mehr Engagement gegen Korruption und Vetternwirtschaft fordern, das Verschieben großer Vermögen ins Ausland scharf kritisieren, sich selbst aber die illegale Beschäftigung von Handwerkern, Haushalts- und Pflegehilfen schönreden. Der Schaden durch „gesparte“ Steuern und nicht geleistete Versicherungsbeiträge schwächt den Sozialstaat. Den meisten Auftraggebern dürfte nicht klar sein, welche Risiken sie eingehen. Eine Pflegekraft lässt sich nicht verstecken. Die anonyme Anzeige eines einzigen missgünstigen – oder besonders gesetzestreuen – Nachbarn reicht, um den Betrug auffliegen zu lassen. Und wer kann schon von sich behaupten, dass er allen Menschen seiner Umgebung hinter die Stirn schauen könnte? Auch wenn mal etwas schiefgeht, sind Haftungsansprüche gegen einen Schwarzarbeiter nicht durchzusetzen. Ein beschädigtes Möbelstück im Haushalt durch das falsche Putzmittel mag da noch zu verschmerzen sein, aber was passiert, wenn dem Pflegebedürftigen durch einen Fehler der Pflegekraft ernsthafter gesundheitlicher Schaden entsteht?

Pflegekräfte aus Tschechien
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Die meisten Haushalte, die eine osteuropäische Haushalts- oder Pflegehilfe legal beschäftigen, wählen die Möglichkeit der Arbeitnehmer-Entsendung.

Europäisches Recht bietet viele Möglichkeiten

Es gibt viele sehr gute Gründe für die legale Beschäftigung. Dazu passend bietet das europäische Recht auch viele Möglichkeiten. Seit den EU-Erweiterungen in den Jahren 2004 und 2007 können Pflegekräfte aus Tschechien, Polen und vielen weiteren Ländern, zuletzt auch Rumänien und Bulgarien, unproblematisch nach Deutschland kommen. Sie brauchen weder Visum noch Arbeitserlaubnis. Für selbstständige Pflegerinnen gilt Dienstleistungsfreiheit, abhängig Beschäftigte profitieren von Arbeitnehmerfreizügigkeit oder der Möglichkeit zur Arbeitnehmer-Entsendung.

Entsendung ist der beste Kompromiss

Die meisten Haushalte, die eine osteuropäische Haushalts- oder Pflegehilfe legal beschäftigen, wählen die Möglichkeit der Arbeitnehmer-Entsendung. Das bedeutet, die Pflegekraft ist bei einem Pflegedienst in ihrer Heimat angestellt und wird auftragsbezogen nach Deutschland entsendet, in der Regel für zwei bis drei Monate. Sie genießt dort alle Arbeitnehmerrechte nach deutschem Standard, dennoch muss sich der deutsche Haushalt nicht mit den formalen Pflichten eines Arbeitgebers auseinandersetzen. Das Niveau des deutschen Mindestlohns, für unsere Verhältnisse kaum ausreichend zum Leben, ist rund doppelt so hoch wie beispielsweise die durchschnittlichen Arbeitskosten in Bulgarien. Da die Pflegehilfen aufgrund von Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes üblicherweise im Haushalt ihres Auftraggebers wohnen und sehr wenig Geld in Deutschland ausgeben, profitieren sie nach Rückkehr in die Heimat von der hohen Kaufkraft ihres Lohns.

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