Pflegepersonal aus dem Ausland

Ausländische Pflegehilfen legal beschäftigen

Pflegepersonal aus dem Ausland arbeitet in vielen Fällen immer noch schwarz in Deutschland. Eigentlich unverständlich, dass sowohl Auftraggeber als auch Auftragnehmer so große Risiken eingehen. Zumindest innerhalb der Europäischen Union ist eine legale Beschäftigung unbürokratisch möglich. Und auch die Kosten halten sich in Grenzen.

Verschiedene Vertragsmodelle sind legal

Pflege zu Hause

Auch wenn komplizierte europäische Regelungen oft Anlass für Hohn und Spott sind – für Dienstleistungen und den Arbeitsmarkt hat die Liberalisierung den Bürgern erhebliche Vorteile gebracht. Im Bereich der Pflegeleistungen wirken sich die EU-Erweiterungen der Jahre 2004 und 2007 besonders aus. Zu diesen Zeitpunkten sind viele osteuropäische Länder in die Gemeinschaft aufgenommen worden. Ihr Preisniveau unterscheidet sich noch heute deutlich von dem reicher Industriestaaten. Das Lohngefälle lässt sich nutzen, um Arbeit in Deutschland billig anzubieten, ohne die Arbeitskräfte auszubeuten. Stichwörter für die Legalität der verschiedenen Vertragsmodelle sind Dienstleistungsfreiheit, Arbeitnehmer-Freizügigkeit und Arbeitnehmer-Entsendung.

Pflegepersonal aus dem Ausland
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Pflegepersonal aus dem Ausland arbeitet in vielen Fällen immer noch schwarz in Deutschland.

Selbstständige Pflegekräfte in der rechtlichen Grauzone

Pflegerinnen, die freiberuflich tätig sind, können wegen der Dienstleistungsfreiheit ihre Dienste auch im europäischen Ausland anbieten. Sie sind keine Arbeitnehmerinnen, deshalb gelten auch entsprechende Schutzvorschriften nicht. Für Steuern und Sozialversicherung sind sie allein selbst verantwortlich. Lohn und Arbeitszeiten können frei vereinbart werden. Wettbewerbsdruck sorgt dafür, dass die Preise niedrig sind – schon ab etwa 1.700 Euro im Monat ist eine 24-Stunden-Betreuung möglich. Damit das Dienstverhältnis legal ist, muss der Auftraggeber aber auf jegliches Weisungsrecht über den geschlossenen Vertrag hinaus verzichten. Ansonsten wäre seine Pflegehilfe nämlich nicht selbstständig, sondern abhängig tätig. Diese Vermutung gilt es unbedingt zu vermeiden, denn sonst werden Mindestlöhne und Sozialabgaben rückwirkend fällig, bei Vorsatz ist sogar eine Strafverfolgung denkbar.

Arbeitnehmer genießen faire Bedingungen

Rechtssicher und auch fair ist die abhängige Beschäftigung auf Basis eines Arbeitsvertrages. Mit Monatspreisen ab 2.000 Euro ist das zwar etwas teurer, vermeidet aber unter Umständen langwierige juristische Auseinandersetzungen um die Frage des Arbeitnehmerstatus. Die Arbeitnehmer-Freizügigkeit erlaubt allen Bürgern der EU, Wohnort und Arbeit in einem anderen Mitgliedsstaat zu suchen. Dazu bedarf es weder einer Aufenthalts- noch einer Arbeitserlaubnis. Angehörige der EU-Staaten haben damit deutliche Vorteile gegenüber Arbeitssuchenden zum Beispiel aus der Ukraine oder aus Kasachstan. Bei Nutung der Freizügigkeit wird der Haushalt des Pflegebedürftigen selbst zum Arbeitgeber. Das sichert ihm zwar ein direktes Weisungsrecht, ist aber aufgrund der vielfältigen Pflichten eines Arbeitgebers recht bürokratisch. Erleichterungen gibt es nur für Minijobs, und nicht alle Formalitäten dürfen auf Dienstleister ausgelagert werden.

Entsendung ist der beste Kompromiss

Einfacher ist die Entsendung von Pflegepersonal aus dem Ausland durch einen Arbeitgeber in ihrer Heimat. Dieser übernimmt alle Arbeitgeberpflichten und weist die korrekte Anmeldung mit der sogenannten A1-Bescheinigung nach. Der Haushalt ist nur Auftraggeber und hat mit Steuern, Sozialabgaben und Dokumentationspflichten keinen Stress. Pflegeagenturen vor Ort vermitteln geeignete Kontakte nach Osteuropa und sorgen für reibungslose Abwicklung.

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