Pflegerin 24 Stunden

Pflege rund um die Uhr organisieren

Bestehen bei Senioren gravierende körperliche Einschränkungen oder liegt eine Demenz vor, müssen Angehörige oder eine Pflegerin 24 Stunden vor Ort sein und Aufsicht führen. Zwar sind nicht ständig pflegerische Tätigkeiten erforderlich, aber Anleitung und Kontrolle benötigen auch Zeit. Wie passen solche Anforderungen zum deutschen Arbeitszeitgesetz? Ist ein teures Schichtmodell erforderlich, oder lässt sich 24-Stunden-Pflege auch mit einer einzigen Pflegekraft organisieren?

Arbeitnehmerschutz gilt auch für ausländische Pflegekräfte

Pflege zu Hause

Angestellte Haushalts- und Pflegehilfen genießen unabhängig von ihrer Nationalität und vom Sitz ihres Arbeitgebers den vollständigen Arbeitnehmerschutz nach deutschem Recht, wenn ihr Arbeitsplatz in Deutschland liegt. Dazu gehört neben Mindestlohn und Mindesturlaub auch das Arbeitszeitgesetz. Es schreibt eine Höchstarbeitszeit von 48 Stunden in einer Sechs-Tage-Woche vor. Ausnahmsweise sind zehn Stunden pro Tag möglich, wenn die Mehrarbeit an anderen Tagen ausgeglichen wird. Außerdem ist eine Ruhezeit von elf Stunden zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn am nächsten Tag einzuhalten.

Pflegerin über 24 Stunden pro Tag
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Schon die Ruhezeit stellt bei der Betreuung Pflegebedürftiger ein Problem dar.

Das Arbeitszeitgesetz gilt nicht für Selbstständige

Schon die Ruhezeit stellt bei der Betreuung Pflegebedürftiger ein Problem dar. Pflegende Angehörige berichten, dass die Nachtruhe im Schnitt in einer von zwei Nächten unterbrochen wird, zum Beispiel durch einen nötigen Toilettengang. Elf Stunden Ruhezeit können also einer Pflegerin im 24-Stunden-Dienst nicht garantiert werden. Eine Möglichkeit wäre die Beschäftigung einer selbstständigen Hilfskraft, denn ohne Arbeitsvertrag gelten auch keine Schutzgesetze. Behörden und Sozialversicherungsträger gehen aber davon aus, dass Selbstständigkeit im Bereich der Haushalts- und Pflegehilfen nicht möglich sei, weil der Auftraggeber kein Weisungsrecht ausüben dürfte. Ein langwieriger Rechtsstreit über eine mögliche Scheinselbstständigkeit steht bevor – und verliert der Auftraggeber, wird es teuer. Bis zu dreißig Jahre lang müssen Mindestlöhne, Steuern und Sozialabgaben nachgezahlt werden. Bei Vorsatz ist das Hinterziehen von Sozialversicherungsbeiträgen sogar strafbar. Ganz abgesehen von der rechtlichen Problematik kann selbstverständlich auch eine freiberufliche Pflegerin nicht 24 Stunden am Tag arbeiten.

Rechtssicher sind nur abhängige Arbeitsverhältnisse

Das Risiko der Scheinselbstständigkeit gibt es bei Arbeitnehmern nicht. Dafür droht aber ein Konflikt mit dem Arbeitszeitgesetz. Mit viel Aufwand lässt sich ein Plan aufstellen, in dem sich Arbeitszeiten, Bereitschaft und Rufbereitschaft (sie zählen nach dem Gesetz nicht zur Arbeitszeit) und Ruhephasen abwechseln. Solange ein ambulanter Pflegedienst die medizinische Behandlungspflege ausführt, hat die Pflegerin Pause. Angehörige oder ehrenamtliche Seniorenbetreuer übernehmen einen Teil der Aufgaben, wenn die erlaubte Arbeitszeit ausgeschöpft ist. Vor Überraschungen durch einen nächtlichen Notfall bewahrt aber auch dieses Konzept nicht. Ganz sicher geht nur derjenige, der die Pflegerin in den eigenen Haushalt aufnimmt. § 18 des Arbeitszeitgesetzes besagt, dass das Gesetz bei häuslicher Pflege nicht anwendbar sei. Empfehlenswert ist die Organisation von Pflegepersonal über einen Pflegevermittler in Deutschland. Da die Pflegekräfte aus Osteuropa in der Regel nur zwei bis drei Monate am Stück in Deutschland sind, sorgen sie während des Urlaubs und auch bei Krankheit für zuverlässigen Ersatz.

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