Polin als Pflegekraft

Pflegerin aus Polen

Schaut man auf Zahlenmaterial zur Pflege, steht die Polin als Pflegekraft ganz oben in der Statistik ausländischer Pflegekräfte in Deutschland. Rund 500.000 sind es insgesamt, davon ein Fünftel polnischer Herkunft. Der Frauenanteil beträgt weit über 90 %. Werden osteuropäische Arbeitnehmerinnen ausgebeutet und mit Hungerlöhnen abgespeist?

Keineswegs. Denn erstens gilt für sie deutsches Arbeitsrecht mit Mindestlohn, geregelter Arbeitszeit und Urlaubsanspruch. Zweitens funktioniert ein Arbeitsmarkt nur, wenn beide Seiten ihre Vorteile sehen. In einer alternden Gesellschaft ist die Pflegerin aus Polen gern gesehen. Das setzt faire Konditionen voraus.

Modell der Arbeitnehmer-Entsendung

Pflege zu Hause

Auch wenn die Geburtenrate einen vorübergehenden Höchststand erreicht hat, ist ein neues Tief in wenigen Jahren bereits absehbar. In Kombination mit steigender Lebenserwartung wird der Anteil der Rentner und besonders der Hochaltrigen an der Gesamtbevölkerung deutlich ansteigen. Die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt zu. Gleichzeitig wird die Pflege durch Angehörige erschwert. Berufliche Flexibilität ist gefragt – die Folge: Kinder wohnen nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern. Und wenn ein über Achtzigjähriger gepflegt werden muss, gehören die Kinder in der Regel auch schon zur Generation 50+. In dieser Situation füllen osteuropäische Pflegerinnen eine immer größer werdende Lücke. Sie sind meist bei Pflegeunternehmen in ihrer Heimat angestellt und kommen nach Deutschland per Arbeitnehmer-Entsendung. Pflegerinnen aus dem Ausland profitieren von hohen Standards des Arbeitnehmerschutzes in Deutschland, gleichzeitig bleiben aber die Lohnnebenkosten gering, weil die Anmeldung zur Sozialversicherung in der Heimat erfolgt.

Polin als Pflegekraft
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Schaut man auf Zahlenmaterial zur Pflege, steht die Polin als Pflegekraft ganz oben in der Statistik ausländischer Pflegekräfte in Deutschland.

Umfangreiche Leistungen von Vermittlungsagenturen

Wer eine Polin als Pflegekraft engagieren will, wendet sich am besten an eine inländische Pflegeagentur. Hier sitzen Spezialisten, die anhand des festgestellten Pflegegrades über den zu vereinbarenden Umfang der Pflege beraten und auch Tipps für einen sinnvollen Einsatz von Leistungen der Pflegekasse geben können. Die Medien berichteten ausführlich über betrügerische Pflegedienste. Damit Pflegebedürftige und deren Angehörige darauf nicht hereinfallen, wählen die Agenturen die Vertragspartner im Ausland sorgfältig aus und sorgen dafür, dass die beauftragten Leistungen im Vertrag auch wirklich wasserdicht festgehalten werden, und zwar in deutscher Sprache. Auch bei der praktischen Organisation der Pflege gibt es einiges zu bedenken – Abholung der Pflegerin vom Zug oder Bus, Unterbringung möglichst im Haushalt des Gepflegten, Regelung von Arbeitszeiten in Übereinstimmung mit dem deutschen Arbeitsrecht, Urlaubsvertretung. Während die Angehörigen des Pflegebedürftigen hier völliges Neuland betreten, haben die Vermittler umfangreiche Erfahrungen. Für deren Leistungen wird meist kein separates Honorar genommen. Die Pflegeagenturen erhalten Provisionen von den beauftragten Unternehmen und rechnen in die Stundensätze, die der Endkunde bezahlen muss, entsprechende Beträge ein.

Entgelt abhängig von Leistungsumfang und Deutschkenntnissen

Eine Polin als Pflegekraft ist bei Vermittlung durch eine Agentur ab einem Tagessatz von rund 60 Euro zu beschäftigen. Bei hohen Pflegegraden steigt der Lohn, und auch bessere Deutschkenntnisse müssen bezahlt werden. Das zur freien Verfügung gezahlte Pflegegeld kann für die Entlohnung osteuropäischer Pflegekräfte verwendet werden.

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