Polnische Pflegekräfte Legal Kosten

Ausländische Pflegekräfte legal beschäftigen

Das europäische Recht macht es möglich: In Deutschland sind ausländische, vor allem polnische Pflegekräfte legal. Die Kosten reduzieren sich trotz fairer Arbeitsbedingungen nach deutschen Standards gegenüber einem professionellen Pflegedienst auf etwa ein Fünftel. Für die rechtssichere Beschäftigung von EU-Ausländern gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.

Ausnutzen der Dienstleistungsfreiheit

Pflege zu Hause

Die billigste Möglichkeit, osteuropäische Pflegekräfte zu beschäftigen, birgt zugleich die größten rechtlichen Risiken. Viele Unternehmen nutzen bereits die Vorzüge der Dienstleistungsfreiheit in der Europäischen Union. Man kann Festgeld bei einer ausländischen Bank zu höheren Zinsen anlegen oder einen Handwerker von jenseits der Grenze bestellen. Das geht auch bei freiberuflichen Pflegerinnen, sozusagen Ein-Personen-Unternehmen. Die Kosten sind deshalb so gering, weil die Beschränkungen des deutschen Arbeitsrechts für Dienstleistungsverhältnisse nicht gelten. Wenn sich ein Selbstständiger bereitfindet, für weniger als den gesetzlichen Mindestlohn zu arbeiten, und das zwölf Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche, kann er einen solchen Vertrag abschließen. Ob der Pflegebedürftige oder seine Familie ein schlechtes Gewissen haben sollten, müssen sie selbst entscheiden – legal wäre dieses Dienstleistungsverhältnis in Deutschland, solange es nicht gegen die guten Sitten verstößt. Das Risiko ist, dass Sozialversicherungsträger oder sogar die Pflegekraft selbst auf Feststellung einer Scheinselbstständigkeit klagen. Entgegen landläufiger Meinung kommt es dabei nicht darauf an, dass die Freiberuflerin über längere Zeit nur einen Auftraggeber hat. Danach richtet sich nur die Rentenversicherungspflicht. Empfängt die Pflegerin aber Weisungen von ihrem Auftraggeber, arbeitet sie abhängig – mit allen Konsequenzen, also Nachzahlung von Arbeitslohn, Steuern und Sozialabgaben bis hin zur Strafbarkeit, weil Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt wurden. Das kann unter Umständen jahrelange Auseinandersetzungen vor Gericht bedeuten.

Polnische Pflegekräfte: Legal? Kosten?
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Viele Haushalte nutzen die Möglichkeit der Arbeitnehmer-Entsendung als Kompromiss zwischen der Unsicherheit einer selbstständigen Arbeit und der komplexen und teuren direkten Anstellung.

Arbeitnehmer-Freizügigkeit erlaubt direkte Anstellung

So, wie Dienstleistungen grenzüberschreitend angeboten werden dürfen, ist es auch mit der Arbeitskraft. Wer sich woanders wohler fühlt oder in einem anderen Land bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt vermutet, kann – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auch im EU-Ausland arbeiten. Mit der direkten Anstellung übernimmt der Haushalt alle Pflichten eines Arbeitgebers, dieses Vertragsmodell ist aber auch die einzige Möglichkeit, ein direktes Weisungsrecht gegenüber der Pflegehilfe zu haben. Im deutschen Haushalt sind polnische Pflegekräfte legal, die Kosten dafür aber sehr hoch. Das liegt daran, dass nicht nur der gesetzliche Mindestlohn zu zahlen ist, sondern auch Sozialbeiträge nach deutschem Recht anfallen.

Entsendung als bester Kompromiss

Viele Haushalte nutzen die Möglichkeit der Arbeitnehmer-Entsendung als Kompromiss zwischen der Unsicherheit einer selbstständigen Arbeit und der komplexen und teuren direkten Anstellung. Das funktioniert so: Die ausländische Pflegehilfe wird bei einem Pflegedienst in ihrer Heimat angestellt. Dieser Arbeitgeber schließt einen Dienstleistungsvertrag mit dem deutschen Haushalt und entsendet seine Mitarbeiterin dorthin. Die Kosten für dieses Modell liegen bei Tagessätzen ab ca. 60 Euro oder knapp 2.000 Euro im Monat inklusive Nebenkosten für die Unterbringung. Die Pflegerin erhält dafür einen Arbeitsplatz mit Anspruch auf Mindestlohn, Urlaub und begrenzte Arbeitszeiten nach deutschem Recht.

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