Rundum Pflege

Rund-um-die-Uhr Betreuung

Erfordert der Gesundheitszustand eines alten, kranken oder behinderten Menschen eine Rundum-Pflege, können Verwandte das in aller Regel nicht leisten. Kinder sind oft selbst schon im fortgeschrittenen Alter, Enkel durch berufliche und familiäre Anforderungen verhindert und in alle Himmelsrichtungen verstreut leben. Haushalte mit zwei oder sogar mehr erwachsenen Generationen unter einem Dach findet man in unserer Gesellschaft praktisch nicht mehr. Hinzu kommen die Effekte des demografischen Wandels – steigende Lebenserwartung bedeutet immer mehr reine Seniorenhaushalte, auch im Bereich der Hochaltrigen über 80 oder 85 Jahre.

Pflege bedeutet physische und psychische Belastung

Pflege zu Hause

Selbst wenn Angehörige vor Ort leben und Freizeit haben, bedeutet die Rund-um-die-Uhr-Pflege einen gravierenden Einschnitt in das eigene Leben. Körperliche Auswirkungen sind durchaus nachweisbar. So leiden pflegende Angehörige signifikant häufiger unter Rückenbeschwerden als der Bevölkerungsdurchschnitt. Noch deutlicher sind die Warnsignale in der Psyche, von Überlastungserscheinungen bis hin zur handfesten Depression. Das Leiden eines nahestehenden Menschen belastet das Verhältnis auf beiden Seiten, denn der Gepflegte muss Hilfe annehmen und häuft – aus seiner Sicht – Schuld an, die er niemals zurückzahlen kann. Ein Alltag zweier Menschen, der von pflegerischen Tätigkeiten auch im intimen Bereich, beispielsweise dem Toilettengang, bestimmt ist, macht einen ungezwungenen Umgang miteinander nahezu unmöglich.

Rundum-Pflege
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Erfordert der Gesundheitszustand eines alten, kranken oder behinderten Menschen eine Rundum-Pflege, können Verwandte das in aller Regel nicht leisten.

Haushalts- und Pflegehilfen schaffen Entlastung

Ist das Pflegeheim alternativlos für die Rundum-Pflege? Häusliche Pflege ist in vielen Fällen möglich, und sie muss keine 10.000 Euro im Monat kosten, wie die Stiftung Warentest berechnet hat. Die Rechnung bezog sich auf Leistungen der medizinischen Behandlungspflege, die von teuren Spezialisten erbracht werden muss. Glücklicherweise ist nicht jeder Senior derart gravierend pflegebedürftig. Die Tätigkeit der examinierten Kräfte, die von ambulanten Pflegediensten entsendet werden, beschränkt sich auf kurze Zeiten pro Tag, vielleicht sogar nur jeden zweiten Tag. Dabei geht es im Übrigen um Arbeiten, die von Angehörigen als medizinischen Laien ohnehin nicht ausgeführt werden könnten, zum Beispiel Wundversorgung, Injektionen und Infusionen. Pflegende Verwandte werden nicht durch ambulante Pflegedienste abgelöst, sondern durch Haushalts- und Pflegehilfen. Sie kommen oft aus den osteuropäischen EU-Staaten, weil der deutsche Arbeitsmarkt für sie auch bei Bezahlung auf Mindestlohn-Niveau attraktiv ist. Eine angestellte Pflegerin aus Polen, Ungarn, Rumänien oder den baltischen Staaten kostet rund 2.000 Euro im Monat, wenn sie rund um die Uhr Pflege leistet und den Haushalt versorgt.

Höchstarbeitszeiten sind zu beachten

Bei der Organisation der Rundum-Pflege ist allerdings deutsches Arbeitszeitrecht zu berücksichtigen. Tatsächlich arbeitet die Hilfskraft nicht ständig, sondern Arbeitszeiten wechseln sich mit Bereitschaft und Ruhephasen ab. Außerdem kennt das Arbeitszeitgesetz eine Ausnahmevorschrift, wenn Pflegende in häuslicher Gemeinschaft mit dem Pflegenden wohnen und deshalb Arbeit und Freizeit nicht abgrenzbar sind. Pflegeagenturen in Deutschland beraten über die sinnvolle Ausgestaltung der Verträge und knüpfen Kontakt nach Osteuropa.

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