Vollzeitpflege

24-Stunden-Pflege heißt nicht gleich Pflegeheim

Vollzeitpflege ist für viele Menschen gleichbedeutend mit einem Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung. Wer nicht das Vermögen eines Michael Schumacher hat, kann nicht auf eine Pflege zu Hause hoffen, wie er sie seit seinem schweren Skiunfall erhält. Aber ist dieser Eindruck überhaupt richtig? Fakt ist, dass es viel zu wenig Pflegebetten in Deutschland gibt, um eine umfassende stationäre Versorgung sicherzustellen. Rund 75 % der Pflegebedürftigen werden ambulant betreut.

Zugegeben, nicht immer ist eine Begleitung rund um die Uhr erforderlich. Und selbst wenn man von Vollzeitpflege spricht, ist nicht der ganze Tagesablauf von Pflegeleistungen bestimmt.

Medizinische Leistungen von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten abgrenzen

Pflege zu Hause

Was versteht man überhaupt unter Pflegeleistungen? Da gibt es zum einen die Arbeiten, die medizinischen Sachverstand erfordern und deshalb nur von examinierten Kräften geleistet werden dürfen. Dazu zählen zum Beispiel komplexe Tätigkeiten wie das Absaugen der oberen Luftwege oder ein Katheterwechsel, aber auch scheinbar einfache Maßnahmen wie Blutdruckmessung oder das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen. Für solche Leistungen, die ein ambulanter Pflegedienst erbringt, bekommt der Pflegebedürftige Sachleistungen aus der Pflegekasse, das heißt, er kann sich die Kosten von der Kasse erstatten lassen. Die weitaus meisten Verrichtungen sind aber weit einfacher. Entweder geht es um normale Arbeiten, die in jedem Haushalt anfallen, wie Putzen, Waschen und Kochen. Oder es sind Leistungen der Grundpflege, also Beaufsichtigung oder Unterstützung bei Mobilitätseinschränkungen oder aufgrund einer Demenzerkrankung. Dafür braucht die Pflegekraft kein Examen, folglich ist die Dienstleistung deutlich billiger zu haben.

Vollzeitpflege
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Vollzeitpflege ist für viele Menschen gleichbedeutend mit einem Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung.

Pflegepersonal kommt aus dem Ausland

Pflegekräfte aus Osteuropa, vor allem aus Polen, leisten wertvolle Dienste im deutschen System der ambulanten Pflege. Branchenkenner sprechen von rund 500.000 Pflegerinnen und Pflegern in 200.000 deutschen Haushalten. Das Pflegegeld, das der Pflegebedürftige zur freien Verfügung erhält, kann für die Bezahlung von osteuropäischen Hilfskräften eingesetzt werden. Das gängige Modell sieht vor, dass die Pflegekraft bei einem Unternehmen in ihrem Heimatland angestellt ist. Dieser Arbeitgeber kümmert sich um die Entlohnung, die Anmeldung zur Sozialversicherung und das Abführen von Steuern und Versicherungsbeiträgen. Der deutsche Auftraggeber erhält die sogenannte A1-Bescheinigung, die belegt, dass die Pflegekraft im deutschen Sozialsystem nicht mehr registriert werden muss.

Vollzeitpflege und deutsches Arbeitsrecht

Trotz des ausländischen Arbeitgebers gilt bei einer Entsendung nach Deutschland das hiesige Arbeitsrecht. Die Pflegehilfe hat also Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, und auch das Arbeitszeitgesetz ist zu beachten. Es sieht eine Beschränkung der Arbeitszeit auf täglich zehn Stunden und wöchentlich auf 48 Stunden bei einer Sechs-Tage-Woche vorher. Außerdem ist eine Ruhezeit von elf Stunden zwischen dem Arbeitsende und dem Dienstbeginn am Folgetag einzuhalten. Erfordert eine Vollzeitpflege also ein teures Schichtsystem mit mehreren Arbeitnehmerinnen? Nicht unbedingt. Die Pflegehilfskraft wohnt üblicherweise im Haushalt des Pflegebedürftigen. Viele Zeiten, zum Beispiel die Nachtruhe, erfordern keine aktive Betreuung und sind deshalb auch keine Arbeitszeit. Trotzdem ist es gut, wenn rund um die Uhr jemand aufpasst und im Notfall eingreifen kann.

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