Zur allgemeinen Orientierung. Für Ihre persönliche Situation helfen Pflegeberatung und die zuständigen Fachstellen weiter.

Wiederholte Fragen, Rückzug oder plötzliche Gereiztheit bei einem Menschen mit Demenz belasten Angehörige. Oft hängen solche Veränderungen mit Problemen mit dem Gedächtnis oder der Orientierung zusammen. Auch Angst, Überforderung, die Umgebung oder körperliche Beschwerden können Auslöser sein.

Suchen Sie nach möglichen Auslösern und reagieren Sie ruhig, statt das Verhalten als Absicht zu deuten. Bei einer plötzlichen oder deutlich stärkeren Veränderung sollte eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache abklären.

Verhaltensänderungen bei Demenz

Bei den meisten Menschen mit Demenz verändern sich im Lauf der Erkrankung auch Stimmung oder Verhalten. Manche Menschen stellen dieselben Fragen wiederholt, andere werden unruhig, schlafen schlecht oder verlieren das Interesse an vertrauten Tätigkeiten. Es kann auch zu Ängsten, gereizten oder aggressiven Reaktionen, Rückzug und falschen Verdächtigungen kommen, etwa wenn verlegte Gegenstände anderen zugeschrieben werden.

Manche Betroffene ordnen Menschen oder Situationen falsch ein oder erleben Sinnestäuschungen. Das betrifft nicht alle Menschen mit Demenz. Welche Veränderungen auftreten und wann, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Auch im Tagesverlauf kann sich das ändern.

Älterer Mann und Begleiterin spielen gemeinsam ein Brettspiel.
KI-generiertes Symbolbild

Warum sich Verhalten bei Demenz verändert

Gedächtnis- und Orientierungsprobleme erschweren es, den Alltag einzuordnen. Wer eine Antwort vergessen hat, stellt dieselbe Frage erneut. Wiederholtes Fragen kann zugleich ein Ausdruck von Unsicherheit oder dem Wunsch nach Nähe sein. Angst und Frustration können sich als Unruhe oder Wut zeigen, besonders wenn eine Aufgabe überfordert oder eine Situation unübersichtlich ist.

Die Umgebung und die Art, wie andere mit der Person sprechen, können ihr Verhalten beeinflussen. Lärm und Hektik können verunsichern. Das gilt auch für viele Anweisungen auf einmal oder einen ungewohnten Ablauf. Schmerzen, Verstopfung oder eine Infektion können ebenfalls zu Veränderungen beitragen. Bei einer Veränderung sollten auch Depressionen und Nebenwirkungen von Medikamenten bedacht werden.

Im Alltag auf Verhalten reagieren

Sprechen Sie ruhig und in kurzen, klaren Sätzen. Geben Sie der Person Zeit, zu antworten, und vermeiden Sie es, sie zu drängen oder zu hetzen. Bei wiederholten Fragen hilft häufig eine kurze, freundliche Antwort. Wenn die betroffene Person eine Situation falsch erinnert, führt ein Streit über Einzelheiten selten zu mehr Sicherheit. Gehen Sie stattdessen auf das Gefühl ein, das dahintersteht, etwa Sorge, Angst oder Ärger, und vermitteln Sie Ruhe.

Achten Sie darauf, wann und wobei das Verhalten auftritt. Wird die Person vor allem in einer lauten Umgebung unruhig? Beginnt das Umherlaufen zu einer bestimmten Tageszeit oder bei einer bestimmten Tätigkeit? Notieren Sie solche Beobachtungen. Ein Tagebuch über ein bis zwei Wochen kann helfen, wiederkehrende Muster zu erkennen. Probieren Sie danach jeweils eine passende Änderung aus, zum Beispiel eine Aufgabe zu vereinfachen oder eine vertraute Beschäftigung anzubieten.

Nicht jede Reaktion hilft in jeder Situation. Was einer Person Sicherheit gibt, kann eine andere zusätzlich irritieren. Probieren Sie daher behutsam aus, welche Ansprache und welche Beschäftigung im konkreten Moment hilfreich sind.

Plötzliche Verhaltensänderungen ärztlich abklären

Wenn sich Verhalten innerhalb kurzer Zeit deutlich verändert, schreiben Sie es nicht automatisch der Demenz zu. Lassen Sie ärztlich prüfen, ob Schmerzen, eine Infektion, Verstopfung, eine Depression oder ein Medikament als Ursache infrage kommen. Teilen Sie mit, wann die Veränderung begonnen hat und was Ihnen sonst aufgefallen ist. Bei einem neuen oder stark verstärkten Symptom ist die Hausarztpraxis eine geeignete erste Anlaufstelle.

Ältere Frau und Begleiterin beim gemeinsamen Lesen.
KI-generiertes Symbolbild

Umherlaufen sicher begleiten

Umherlaufen kann der Bewegung oder einer vertrauten Tätigkeit dienen. Deshalb muss die Person nicht immer sofort daran gehindert werden. Prüfen Sie zunächst, ob die Person etwas sucht, sich unwohl fühlt oder auf eine Situation reagiert, die sie überfordert. Bei nächtlicher Unruhe zählt zugleich die Sicherheit: Sorgen Sie für eine möglichst sichere Umgebung und holen Sie Unterstützung, wenn die betroffene Person sich selbst oder andere gefährdet.

Auch Angehörige müssen auf ihre eigene Sicherheit achten. Wenn eine Situation bedrohlich wird, schaffen Sie Abstand und holen Sie Hilfe. Eine vertraute Person oder eine Beratungsstelle kann dabei unterstützen, einen Umgang zu finden, der sowohl Bewegungsfreiheit als auch Schutz berücksichtigt.

Medikamente sorgfältig abwägen

Medikamente kommen infrage, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen oder sich nicht umsetzen lassen. Die Entscheidung hängt von den Beschwerden und der Situation ab. Antipsychotika, also Medikamente gegen bestimmte schwere psychische Symptome, sind mit Risiken verbunden. Dazu gehören ein erhöhtes Schlaganfall- und Sterberisiko. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt deshalb, ihren Einsatz zeitlich zu begrenzen und regelmäßig zu überprüfen, ob sie noch nötig sind. Medikamente sollten Angehörige weder eigenständig beginnen noch absetzen.

Unterstützung für Angehörige

Die Begleitung von verändertem Verhalten über längere Zeit kann sehr anstrengend sein. Sprechen Sie mit der Hausarztpraxis oder einer Pflegeberatung darüber, wie sehr Sie die Situation belastet. Beratungsangebote der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und örtlicher Alzheimer-Gesellschaften können ebenfalls dabei helfen, passende Unterstützung und Entlastung zu finden. Auch eine vorübergehende Betreuung durch andere vertraute Personen kann Angehörigen Pausen ermöglichen.