Zur allgemeinen Orientierung. Für Ihre persönliche Situation helfen Pflegeberatung und die zuständigen Fachstellen weiter.
Demenz umfasst Erkrankungen, die Denken, Erinnerung und Alltag beeinträchtigen. Ein Fallbeispiel zeigt, welche Unterstützung ein Mensch braucht und was ihm wichtig ist. Es lässt sich aber nicht auf alle Betroffenen übertragen.
Ein Lehrbeispiel der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) handelt von einem 83-jährigen Mann mit Alzheimer-Demenz, Pflegegrad 3 und Bluthochdruck. Beim Wechsel von der häuslichen Pflege ins Pflegeheim sollen Angehörige und Pflegedienst seine Gewohnheiten und seinen Unterstützungsbedarf berücksichtigen.
Der Fall von Herrn Yilmaz
Herr Dr. Mehmet Yilmaz wurde zu Hause von seiner Tochter, einem ambulanten Pflegedienst und weiteren Helfenden unterstützt. Seine Frau hatte zuvor einen großen Teil der Pflege übernommen. Nach ihrem unerwarteten Tod erhielt Herr Yilmaz mehr professionelle Hilfe. Herr Yilmaz erhielt Hilfe bei der Körperpflege, beim Anziehen, bei der Medikamenteneinnahme und bei den Mahlzeiten.
Im KBV-Beispiel spielen auch seine religiöse Praxis und seine bevorzugten Speisen eine Rolle. So können Pflegende berücksichtigen, was ihm wichtig ist, und vertraute Gewohnheiten möglichst bewahren. Beim Umzug in ein Pflegeheim sollten Angehörige diese Angaben zusammen mit Informationen zum Alltag und zum bisherigen Hilfebedarf weitergeben.
Der Fall zeigt, wie ein Überleitungsbogen genutzt wird. In diesem Formular wird festgehalten, was beim Wechsel in eine andere Versorgung wichtig ist. Er ist keine ausführliche Krankengeschichte. Die KBV berichtet weder über den genauen Verlauf der Erkrankung noch darüber, wie Herr Yilmaz den Umzug erlebt oder welche Folgen er hat. Daraus lässt sich deshalb nicht ableiten, dass der Umzug notwendig war oder sein Leben verbessert hat.

Was im Pflegealltag hilft
Menschen mit Demenz erleben die Erkrankung unterschiedlich. Bei Alzheimer-Demenz können Gedächtnis und Konzentration früh beeinträchtigt sein. Später können weitere Schwierigkeiten hinzukommen, etwa beim Sprechen, bei der Orientierung oder bei alltäglichen Aufgaben. Ein Fallbeispiel sollte daher nur die Symptome beschreiben, die für die betreffende Person tatsächlich bekannt sind.
Im Umgang helfen Zeit, vertraute Abläufe und eine ruhige Ansprache. Angehörige und Betreuungspersonen können vorhandene Fähigkeiten nutzen, statt jede Aufgabe sofort zu übernehmen. Wirkt jemand plötzlich unruhig oder zieht sich zurück, lohnt sich ein Blick auf mögliche Auslöser. Schmerzen können eine Rolle spielen. Auch Durst oder Hunger kommen infrage, ebenso der Wunsch, zur Toilette zu gehen. Was im Einzelfall hilft, hängt von der Person ab.
Vergesslichkeit allein belegt keine Alzheimer-Demenz. Gedächtnis- und Orientierungsprobleme können unterschiedliche Ursachen haben. Eine Ärztin oder ein Arzt kann die Beschwerden umfassend einordnen und, falls nötig, weitere Fachleute hinzuziehen. Ein Fallbeispiel eignet sich nicht dazu, Angehörige selbst zu einer Diagnose zu führen.
Was in einer Übergabe steht
Damit vertraute Gewohnheiten bei einem Wechsel der Betreuung nicht verloren gehen, sollten Angehörige und bisherige Pflegepersonen konkrete Informationen festhalten. Dazu gehören zum Beispiel:
- wobei die Person selbstständig ist und wobei sie Hilfe braucht;
- welche Abläufe, Speisen oder religiösen Gewohnheiten ihr wichtig sind;
- wer bisher unterstützt und welche Aufgaben der Pflegedienst übernimmt;
- was die Person beruhigt oder Unwohlsein auslösen kann.
Im Fall von Herrn Yilmaz betrifft die Unterstützung unter anderem Körperpflege, Kleidung, Medikamente und Mahlzeiten. Bei einer Übergabe hilft es, solche Aufgaben genau zu benennen. Auch die Tochter und andere vertraute Personen gehören zur Unterstützung und sollten in der Übergabe genannt werden.
Zuhause oder Pflegeheim?
Aus dem KBV-Beispiel folgt keine allgemeine Empfehlung für einen bestimmten Pflegeort. Ob die Versorgung zu Hause weitergehen kann oder ein Pflegeheim infrage kommt, hängt unter anderem von den Bedürfnissen und Wünschen der betroffenen Person sowie ihrer Sicherheit ab. Auch ist wichtig, ob Angehörige und professionelle Hilfen verfügbar sind. Diese Bedingungen können sich mit der Zeit verändern.
Häusliche Betreuung und medizinische Behandlungspflege, also medizinische Maßnahmen durch qualifizierte Fachkräfte, sind unterschiedliche Leistungen: Hilfe im Haushalt oder bei alltäglichen Aufgaben ersetzt keine medizinische Behandlung. Auch die Bezeichnung „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ bedeutet nicht, dass eine einzelne Betreuungskraft ständig arbeitet. Angehörige sollten deshalb klären, welche Aufgaben tatsächlich übernommen werden und wo zusätzliche Pflege oder ärztliche Unterstützung nötig ist.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und der AOK-Gesundheitsatlas veröffentlichen Zahlen dazu, wie verbreitet Demenz ist. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft schätzt die Zahl der Betroffenen in der Bevölkerung; der AOK-Gesundheitsatlas erfasst dokumentierte Diagnosen. Die Angaben beruhen daher auf unterschiedlichen Grundlagen und lassen sich nicht direkt vergleichen.

