Zur allgemeinen Orientierung. Für Ihre persönliche Situation helfen Pflegeberatung und die zuständigen Fachstellen weiter.
Für eine rechtmäßig organisierte Live-in-Betreuung mit einer Betreuungskraft aus Polen sollten Haushalte mit etwa 2.800 bis 3.500 Euro im Monat rechnen. Live-in heißt, dass die Betreuungskraft im Haushalt wohnt. Die Preisspanne gilt für Betreuungskräfte aus Osteuropa insgesamt; für polnische Betreuungskräfte gibt es weder einen festen Tarif noch einen belegten Durchschnittspreis.
Der Preis hängt auch davon ab, wer die Betreuungskraft beschäftigt, welche Aufgaben sie übernimmt und ob Vermittlung, Anreise und Unterkunft im Preis enthalten sind. „24-Stunden-Pflege“ ist eine gängige Bezeichnung für Betreuung im Haushalt. Eine einzelne Betreuungskraft darf jedoch nicht rund um die Uhr arbeiten.
Was der Monatspreis abdeckt
Die Verbraucherzentrale nennt für eine Vollzeit-Betreuungskraft aus Osteuropa eine monatliche Spanne von etwa 2.800 bis 3.500 Euro. Andere Angaben fallen breiter aus. Das liegt auch daran, dass Anbieter unterschiedliche Leistungen und Nebenkosten in ihre Preise einrechnen. Für polnische Betreuungskräfte gibt es keinen verlässlich ermittelten Durchschnittspreis.
Einzelne Anbieter werben mit niedrigeren Einstiegspreisen. Ein Anbieter nennt beispielsweise einen Preis ab 85 Euro pro Tag und Tabellenpreise ab 2.600 Euro im Monat für bestimmte Sprachkenntnisse. In derselben Broschüre kommt eine jährliche Beratungs- und Vermittlungsgebühr hinzu. Diese Preise gelten nur für die genannten Angebote und garantieren keinen Preis bei anderen Anbietern. Entscheidend ist, welche Summe im schriftlichen Angebot für den eigenen Haushalt steht.

Diese Faktoren verändern den Preis
Zuerst sollten Angehörige klären, wer die Betreuungskraft beschäftigt. Bei einer direkten Anstellung wird der Haushalt zum Arbeitgeber und muss sich um Lohnabrechnung, Sozialversicherung und weitere Arbeitgeberpflichten kümmern. Bei einer Entsendung beschäftigt ein ausländisches Unternehmen die Betreuungskraft und schickt sie nach Deutschland. Für die Vermittlung und Unterstützung kann zusätzlich eine deutsche Agentur Geld verlangen.
Der Preis hängt auch davon ab, welche Betreuung vereinbart ist. Die Kosten für Hilfe bei Mahlzeiten, Einkäufen und leichten Haushaltstätigkeiten unterscheiden sich von den Kosten für Betreuung mit häufigen nächtlichen Unterbrechungen oder für mehrere Personen. Sprachkenntnisse und Berufserfahrung beeinflussen ebenfalls die Angebote. Aus den Preisangaben lässt sich kein einheitlicher Zuschlag ableiten, zum Beispiel ein fester Betrag für jede Sprachstufe.
Prüfen Sie außerdem, ob die Monatsrate Anreise und Vermittlung enthält. Klären Sie auch, ob Ersatz bei Krankheit oder Urlaub sowie Unterkunft und Verpflegung eingeschlossen sind. Manche Anbieter führen einzelne Posten getrennt auf. Für medizinische Behandlungspflege, also medizinische Versorgung durch Fachpersonal, braucht es eine qualifizierte Pflegefachkraft oder einen ambulanten Pflegedienst. Eine Betreuungskraft ohne anerkannte pflegerische Qualifikation darf diese Aufgaben nicht übernehmen.
Arbeitszeit gehört zum Preis
Eine Betreuungskraft, die im Haushalt wohnt, kann nicht ohne Unterbrechung arbeiten. Sie braucht Ruhezeiten und Pausen. Familien müssen deshalb festlegen, wer nachts, während der Freizeit und bei Krankheit oder Urlaub einspringt. Wenn eine einzelne Person rund um die Uhr ansprechbar sein soll, reicht ein übliches Live-in-Modell dafür nicht aus.
Für Beschäftigte gilt der gesetzliche Mindestlohn. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt der allgemeine Mindestlohn 13,90 Euro brutto pro Stunde. Welcher Mindestlohn gilt, hängt auch von der Tätigkeit und dem Beschäftigungsmodell ab. Für bestimmte Tätigkeiten im Pflegebereich gelten eigene Regelungen. Ein Monatsangebot sollte deshalb nachvollziehbar erklären, wie Arbeitszeit, Bereitschaft und Bezahlung berücksichtigt werden.
Das Bundesarbeitsgericht hat für entsandte Betreuungskräfte entschieden: Auch Bereitschaftszeit kann Mindestlohnansprüche auslösen. Das gilt, wenn die Beschäftigte an einem vom Arbeitgeber bestimmten Ort bleiben muss und die Zeit nicht frei nutzen kann. Anwesenheit im Haus zählt nicht automatisch als Arbeitszeit. Der Vertrag sollte deshalb klar festlegen, wann Arbeitszeit und wann Ruhezeit ist.
Bei einer Entsendung sollte die Familie außerdem eine Kopie der A1-Bescheinigung verlangen und aufbewahren. Sie belegt, in welchem Land die entsandte Person sozialversichert ist. Häufig schließt der Haushalt einen Vertrag mit dem ausländischen Dienstleister und einen weiteren Vertrag mit der deutschen Vermittlung. Die Familie sollte beide Verträge gemeinsam prüfen.
Pflegeleistungen senken die Belastung
Pflegegeld kann die eigenen Kosten verringern, wird aber nicht automatisch mit der Rechnung eines Vermittlers verrechnet. Anspruch besteht ab Pflegegrad 2. Im Jahr 2026 beträgt das monatliche Pflegegeld 347 Euro bei Pflegegrad 2, 599 Euro bei Pflegegrad 3, 800 Euro bei Pflegegrad 4 und 990 Euro bei Pflegegrad 5.
Bei einer Monatsrechnung von 2.800 bis 3.500 Euro und Pflegegrad 3 bleiben nach Abzug von 599 Euro rechnerisch 2.201 bis 2.901 Euro zu zahlen. Die Beispielrechnung dient nur zur Orientierung; weitere Kosten fallen weiterhin an. Für zusätzliche Leistungen der Pflegeversicherung gelten eigene Voraussetzungen.
Für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege steht 2026 ein gemeinsamer Betrag pro Jahr von bis zu 3.539 Euro zur Verfügung, wenn die Voraussetzungen für den Anspruch erfüllt sind. Der Entlastungsbetrag beträgt bis zu 131 Euro monatlich. Die Familie kann beide Leistungen nur für bestimmte Zwecke und unter bestimmten Bedingungen nutzen. Sie kann sie daher nicht pauschal von der Live-in-Rechnung abziehen.
Zusätzlich kann eine Steuerermäßigung für bestimmte Pflege- und haushaltsnahe Dienstleistungen infrage kommen. Nach § 35a Einkommensteuergesetz können unter bestimmten Voraussetzungen 20 Prozent der begünstigten Kosten, höchstens 4.000 Euro, die Steuer mindern. Für diese Leistung zählen nur bestimmte Kostenanteile, insbesondere Arbeitskosten. Die Familie braucht eine Rechnung und muss unbar zahlen; ob ein konkreter Vertrag die Voraussetzungen erfüllt, sollte die Familie steuerlich prüfen lassen.

Live-in-Angebote vergleichen
Vergleichen Sie nicht nur den beworbenen Monatspreis, sondern den vollständigen Betrag und die vereinbarten Leistungen. Lassen Sie sich diese Fragen schriftlich beantworten:
- Wer beschäftigt die Betreuungskraft, und wer ist Vertragspartner?
- Sind Vermittlung, Anreise, Unterkunft und Verpflegung im Preis enthalten?
- Welche Aufgaben, Arbeitszeiten und Ruhezeiten sind vereinbart?
- Wer übernimmt die Betreuung während Freizeit, Krankheit und Urlaub?
- Welche Sprachkenntnisse und Qualifikationen hat die Betreuungskraft?
- Liegt bei einer Entsendung eine A1-Bescheinigung vor?
Ein niedriger Einstiegspreis ist nur dann vergleichbar, wenn dieselben Leistungen und Kosten enthalten sind. Unklare Arbeitszeiten oder eine unklare Arbeitgeberrolle können zusätzliche Kosten und rechtliche Probleme verursachen.


